
Ein Beitrag von Ulrike Dobelstein-Lüthe
Geschäftsführerin der Fürstenberg Foundation
Wie sprechen wir mit jungen Menschen über psychische Gesundheit? Offen, ehrlich und ohne Tabus? Am 4. Juni durften wir gemeinsam mit dem Rotary Club Hamburg-Volksdorf am Walddörfer Gymnasium in Hamburg einen ganzen Projekttag zum Thema mentale Gesundheit gestalten. Rund 170 Schüler:innen, 35 Lehrkräfte sowie 260 Eltern kamen zusammen, um sich auszutauschen, zuzuhören, Fragen zu stellen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Der Projekttag knüpfte an die bestehende Präventionsarbeit der Schule an und setzte dort an, wo mentale Gesundheit im Alltag junger Menschen besonders sichtbar wird: bei Leistungsdruck, Selbstwert, Social Media, Stress und dem Wunsch, einfach gehört zu werden.


Ein Tag für Austausch, Offenheit und neue Perspektiven
Den Auftakt bildete ein interaktiver Paneltalk mit TV-Moderator Christian Wackert, YouTuber Alexander Böhm sowie Martha Brentführer, Schülerin und Mitglied des Jugendbeirats der Fürstenberg Foundation. Moderiert wurde der gesamte Tag von Julia Schneider, Co-Gründerin von „Mehr als Arbeit“, Vize Miss Germany und ehemalige Lehrkraft.
Gemeinsam sprachen sie über persönliche Erfahrungen, Herausforderungen und darüber, was mentale Gesundheit für sie bedeutet. Besonders wertvoll war dabei die Offenheit der Jugendlichen, die eigene Fragen und Gedanken einbrachten.
Workshops für Schüler*innen: Themen, die wirklich bewegen
Im Anschluss arbeiteten die Schüler:innen in kleineren Gruppen weiter. In zwei einstündigen Sessions konnten sie sich mit Themen beschäftigen, die sie zuvor selbst ausgewählt hatten. Umgang mit Stress und Leistungsdruck, Selbstwertgefühl, digitale Welt und psychische Gesundheit sowie Achtsamkeit und psychische Hygiene standen hierbei zur Auswahl. Gemeinsam mit Expertinnen wurden nicht nur Hintergründe erklärt, sondern auch konkrete Strategien und Handlungsoptionen für den Alltag mit an die Hand gegeben.

Unser Workshop aus Schüler*innen-Perspektive
„Mental Health Day 2026: Hinschauen, nicht wegsehen!“
Zwei Schülerinnen des Walddörfer Gymnasiums, Pia K. aus der 10b und Maja B. aus der 10a, haben ihre Eindrücke vom Projekttag festgehalten. Ihr Beitrag zeigt, was bei jungen Menschen ankommt: Offenheit, Aufklärung und das Gefühl, mit den eigenen Herausforderungen nicht allein zu sein.
„Der Tag hat Transparenz geschaffen und uns gezeigt, dass wir mit unseren Problemen nicht allein sind, diese menschlich sind, man sich nicht für diese schämen sollte und sich trauen sollte, nach Hilfe zu fragen, wenn man diese benötigt.“
Lehrkräfte im Fokus: Belastungen erkennen und handlungsfähig bleiben
Am Nachmittag richtete sich das Programm an die Lehrkräfte. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Woran lassen sich psychische Belastungen bei Jugendlichen erkennen? Welche Rolle können Schulen spielen? Und wie gelingt es Lehrkräften, gleichzeitig für andere da zu sein und die eigenen Grenzen im Blick zu behalten?
Die Veranstaltung entwickelte sich schnell zu einem offenen und praxisnahen Austausch, gemeinsam mit Reinhild Fürstenberg, Christian Wackert, Martha Brentführer und Resilienz-Coach Torsten Rothämel. Die Lehrkräfte erhielten nicht nur Antworten auf ihre Fragen, sondern begannen bereits während der Veranstaltung, erste Überlegungen anzustellen, wie mentale Gesundheit an ihrer Schule noch stärker verankert und bestehende Strukturen weiterentwickelt werden können.


Vertiefung: Früherkennung, Resilienz und Selbstfürsorge
Gemeinsam mit Reinhild Fürstenberg ging es um die Frage, wie psychische Erkrankungen bei Jugendlichen frühzeitig erkannt werden können und welche Handlungsmöglichkeiten Lehrkräfte im Schulalltag haben. Parallel dazu beschäftigte sich eine zweite Gruppe mit Torsten Rothämel mit den Themen Resilienz, Selbstfürsorge und dem Umgang mit den eigenen Belastungen im schulischen Kontext.
In der abschließenden Feedbackrunde wurde deutlich, wie groß der Bedarf an solchen Formaten ist. Viele Lehrkräfte berichteten, wertvolle Impulse mitgenommen zu haben und konkrete Anregungen künftig in ihrem Schulalltag umsetzen zu wollen.
Elternabend: Orientierung für Familien und Erziehungsberechtigte
Den Abschluss des Tages bildete eine Abendveranstaltung für Eltern und Erziehungsberechtigte. Rund 260 Personen nahmen teil und verfolgten die Veranstaltung mit großer Aufmerksamkeit und spürbarem Interesse.
Nach einer Einführung in das Thema mentale Gesundheit im Jugendalter eröffnete ein moderiertes Panel verschiedene Perspektiven auf die Herausforderungen, mit denen Jugendliche und ihre Familien heute konfrontiert sind.
Raum für Fragen, Erfahrungen und Austausch
Besonders lebendig gestaltete sich die anschließende Austauschrunde mit den Panelgäst:innen und Expert:innen (Nabil Moghib, Torsten Rothämel, Christian Wackert, Reinhild Fürstenberg, Dr. Claudia Haupt und Elisabeth Koblitz). Zahlreiche Eltern nutzten die Gelegenheit, persönliche Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und miteinander in Gespräch zu kommen. Dabei wurde deutlich, wie groß das Bedürfnis nach Orientierung, Austausch und konkreter Hilfestellung ist.


Auch das Feedback der Eltern fiel durchweg positiv aus. Viele wünschten sich ähnliche Veranstaltungen häufiger, sowohl für sich selbst als auch für ihre Kinder. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach noch stärker thematisch fokussierten Angeboten geäußert, um einzelne Fragestellungen künftig noch vertiefter behandeln zu können. Besonders positiv hervorgehoben wurde das Format aus persönlichem Panelgespräch und anschließendem Austausch, das Raum für Information, Begegnung und individuelle Fragen geschaffen hat.
Was von diesem Tag bleibt
Was uns von diesem Tag besonders in Erinnerung bleibt, ist die große Bereitschaft aller Beteiligten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Mentale Gesundheit wurde nicht als abstraktes Thema behandelt, sondern als Teil des Lebensalltags. Mit viel Offenheit und lösungsorientiertem Denken.
Prävention beginnt nicht erst dann, wenn Belastungen sichtbar werden. Sie beginnt dort, wo junge Menschen erleben, dass ihre Gedanken, Gefühle und Herausforderungen ernst genommen werden. Und sie gelingt dann besonders gut, wenn Schule, Elternhaus und weitere Unterstützungen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Danke für Vertrauen, Offenheit und Engagement
Wir bedanken uns herzlich beim Walddörfer Gymnasium, allen Speaker:innen, Sessionleiter:innen und Teilnehmenden für ihr Vertrauen, ihre Offenheit und ihr Engagement. Ebenso ein Dankeschön an den Rotary Club Hamburg-Volksdorf, ohne deren Mithilfe und Unterstützung dieser Tag so nicht möglich gewesen wäre.
Gemeinsam haben wir einen Raum geschaffen, in dem mentale Gesundheit sichtbar und besprechbar werden konnte.

Interesse an einem Projekttag?
Schulen oder Unterstützer:innen, die sich für solch eine Veranstaltung interessieren, können sich sehr gern per E-Mail an Ulrike Dobelstein-Lüthe wenden:
ulrike.dobelstein-luethe@fuerstenberg-foundation.de
